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Garage Talk

Wasserdicht auf dem Motorrad: was 20K, Gore-Tex und HydraDri wirklich bedeuten (2026)

8 September 2026/7 Min. Lesezeit

Die kurze Antwort

Die Wasserdichtigkeit von Motorradbekleidung wird als Wassersäule in Millimetern angegeben. 10K steht für 10.000 mm, 20K für 20.000 mm und so weiter. Je höher der Wert, desto länger hält das Material dem Wasserdruck stand. Für den Weg zur Arbeit und kurze Touren reicht 10K. Wer lange Tage im Dauerregen fährt, will 20K oder mehr. Gore-Tex ist kein höherer Wert, sondern eine Membran eines Herstellers, der selbst garantiert, dass du trocken bleibst.

Wichtiger als die Zahl ist der Aufbau: verschweißte Nähte, wasserdichte Reißverschlüsse und eine Passform, die die kritischen Stellen schließt. Eine Jacke mit 30.000 mm und offenem Kragen lässt dich trotzdem nass werden.

Was die Wassersäule genau misst

Bei diesem Test wird ein Rohr auf den Stoff gesetzt und langsam mit Wasser gefüllt. Die Höhe, bei der die ersten Tropfen durch das Gewebe dringen, ist die Wassersäule. Ein Stoff, der 20.000 mm erreicht, heißt 20K.

Dieser Druck klingt abstrakt, ist auf dem Motorrad aber sehr real. Regen, der bei 120 km/h auf Brust und Schultern trifft, und dein eigenes Gewicht auf einer nassen Sitzbank drücken Wasser mit Kraft in den Stoff. Deshalb sind Sitzfläche, Schultern und Knie immer die ersten Stellen, an denen günstige Bekleidung durchlässt.

WertWassersäuleWofür das reicht
5K5.000 mmLeichte Schauer, kurze Fahrten, Notlösung
10K10.000 mmPendeln, Tagestouren mit etwas Regen
20K20.000 mmTouring und Adventure, stundenlang im Regen
30K und mehr30.000 mm und mehrLange Reisen, alle Jahreszeiten, Offroad bei schlechtem Wetter

Neben der Wasserdichtigkeit steht oft eine zweite Zahl für die Atmungsaktivität, angegeben in Gramm Wasserdampf pro Quadratmeter in 24 Stunden. Dieser Wert entscheidet, ob du von innen durch den eigenen Schweiß nass wirst. Eine komplett dichte Regenjacke hält Regen draußen, transportiert aber kaum Dampf nach außen. Deshalb fühlt sich ein günstiger Regenanzug nach einer Stunde klamm an.

Wasserdicht ist nicht gleich wasserabweisend

Hier entstehen die meisten Fehlkäufe.

Wasserabweisend bedeutet, dass das Obermaterial mit einer Imprägnierung behandelt ist, an der Wasser abperlt. Gegen einen kurzen Schauer funktioniert das gut, aber die Behandlung nutzt sich ab und sättigt sich. Sobald sich das Obermaterial vollsaugt, fühlt sich die Jacke schwer und kalt an, auch wenn die Membran darunter noch dicht ist.

Wasserdicht bedeutet, dass eine Membran verbaut ist, die Wasser aufhält, mit verschweißten Nähten. Ohne verschweißte Nähte leckt Bekleidung immer, denn jede Nadel hinterlässt Löcher im Material.

Auf Produktseiten liest du auch 2-Lagen, 2,5-Lagen und 3-Lagen. Kurz gesagt: bei 3-Lagen ist die Membran fest zwischen Obermaterial und Futter laminiert, was sie robuster und atmungsaktiver macht. Bei günstigerem Aufbau hängt die Membran loser, das ist leichter und billiger, hält aber weniger lange.

Gore-Tex, HydraDri, Dryway: was ist der Unterschied?

Gore-Tex ist eine Membran des Herstellers W.L. Gore. Du kaufst nicht nur den Stoff, sondern auch die Kontrolle darüber: Gore prüft das komplette Kleidungsstück inklusive Nähte und Reißverschlüsse und gibt darauf ein eigenes Trockenheitsversprechen. Deshalb ist Gore-Tex teurer und wird von Marken als eigene Produktlinie geführt.

Daneben hat fast jede Marke ihre eigene Membran. Leatt nutzt HydraDri, mit den Stufen 20K, 30K und 35K direkt im Produktnamen. Halvarssons und Lindstrands arbeiten mit eigenen Membranlösungen. Diese Eigenmembranen sind nicht grundsätzlich schlechter. Sie werden weniger streng von einem Dritten geprüft und sind deshalb bei gleichen angegebenen Werten meist günstiger.

Praktische Faustregel: Kaufst du eine Jacke oder einen Stiefel, der jahrelang deine einzige Lösung sein soll, ist Gore-Tex das Geld wert, weil die Garantie auf dem Gesamtprodukt liegt. Kaufst du gezielt für drei Jahreszeiten oder eine bestimmte Art von Touren, bietet eine Markenmembran wie HydraDri meist mehr fürs Geld.

Membran in der Jacke oder ein Regenanzug darüber?

Es gibt drei Wege, trocken zu bleiben, und sie schließen sich nicht aus.

LösungStärkeSchwäche
Membran fest in der JackeImmer dabei, kein Umziehen am Straßenrand, beste PassformIm Sommer wärmer, höherer Anschaffungspreis
Belüftete Jacke mit separater RegenlageKühl im Sommer, trocken wenn nötigDu musst anhalten und umziehen
Regenanzug über der normalen BekleidungGünstig, klein verstaubar, passt über allesKlamm bei Wärme, weniger Passform

Die meisten erfahrenen Fahrer kombinieren: eine gute Dreijahreszeitenjacke mit Membran für den Alltag und einen kompakten Regenanzug im Koffer für die Tage, an denen es wirklich durchregnet.

Die FlowTour 5.5 ist ein gutes Beispiel für Weg zwei: eine belüftete Jacke mit separater HydraDri 20K Lage, die du darüber oder darunter trägst, sobald das Wetter umschlägt.

Die DriTour 5.5 geht Weg eins: die Membran ist fest verbaut, mit AA Zertifizierung und Protektoren, sodass du unterwegs nichts wechseln musst.

Für lange Reisen bei wechselndem Wetter liegst du mit der MultiTour 7.5 bei 30K, mit herausnehmbaren Lagen, sodass dieselbe Jacke das ganze Jahr nutzbar bleibt.

Suchst du etwas Bezahlbares, das wasserdicht ist und trotzdem belüftet, ist die Furygan Brooks Vented+ ein logischer Einstieg.

Regenbekleidung zum Überziehen

Neongelb ist im Herbst keine Mode, sondern Sicherheit: bei Regen und Dämmerung ist Auffallen der günstigste Schutz, den du kaufen kannst.

Die Nico ist eine separate Regenjacke mit 10K, die klein zusammenfaltet. Praktisch, wenn du vor allem kurze Strecken fährst.

Wo Wasser wirklich eindringt

Fast niemand wird durch den Stoff selbst nass. Es kommt über die Öffnungen, und die sind je Körperstelle vorhersehbar.

Der Hals

Wasser läuft vom Helm über den Kragen nach innen. Ein Kragen, der nicht dicht schließt, ist die häufigste Leckstelle. Ein einfacher Halswärmer löst das oft.

Die Ärmelenden

Regen läuft am Unterarm entlang zur Hand. Die Regel ist simpel: kurze Handschuhe trägst du unter dem Ärmel, lange Handschuhe darüber. Machst du es umgekehrt, fängst du Wasser wie in einer Rinne.

Sitzfläche und Schritt

Hier drückt dein Gewicht Wasser durch den Stoff. Genau hier gibt eine niedrige Wassersäule zuerst nach, und deshalb macht eine Hose mit 20K oder mehr auf längeren Touren den Unterschied.

Der Stiefelschaft

Wasser, das am Hosenbein hinunterläuft und im Stiefel landet. Das Hosenbein gehört über den Stiefel, niemals hinein. Ein wasserdichter Stiefel, der von oben vollläuft, bleibt den ganzen Tag nass.

Stiefel: wo Gore-Tex sich wirklich auszahlt

Bei Stiefeln merkst du den Unterschied zwischen wasserdicht und wasserabweisend schneller als überall sonst. Nasse Füße machen eine Tour unangenehm und kalt, und Stiefel trocknen langsam.

Der Sidi Adventure 2 Gore-Tex ist der Klassiker dieser Kategorie: hoher Schaft, Gore-Tex Membran, geeignet für Asphalt und Schotter.

Der Mid Adventure 2 ist derselbe Gedanke mit niedrigerem Schaft, angenehmer wenn du oft den Fuß absetzt oder darin laufen willst.

Der Leatt ADV HydraDri 7.5 liegt im selben Segment mit eigener Membran und meist schärferem Preis.

Handschuhe: der schwierigste Teil

Hände sind schwer trocken zu halten, weil ein Handschuh für das Gefühl an den Bedienelementen dünn bleiben muss. Eine wasserdichte Membran macht ihn dicker und steifer, es bleibt also immer ein Kompromiss.

Der 6.5 Short ist kürzer und passt unter den Ärmel, den 5.5 trägst du über dem Ärmel. Wähle bewusst, denn das entscheidet, ob das Wasser am Unterarm nach außen oder nach innen läuft.

Bei Kälte und Nässe zugleich ist ein Handschuh mit Isolierung und Membran die sicherere Wahl als ein dünner Sommerhandschuh mit Überzieher.

Pflege: warum deine Jacke nach zwei Jahren leckt

Meistens ist die Membran nicht defekt. Defekt ist die wasserabweisende Schicht auf dem Obermaterial. Sobald sie gesättigt ist, saugt sich der Stoff voll, die Jacke wird schwer und kalt und die Atmungsaktivität hört auf. Das fühlt sich wie ein Leck an, ist aber keins.

  1. Wasche die Bekleidung mit einem Mittel für Funktionstextilien, nicht mit normalem Waschmittel oder Weichspüler. Weichspüler blockiert die Poren der Membran.
  2. Schließe vor dem Waschen alle Reißverschlüsse und Klettverschlüsse, damit sie den Stoff nicht beschädigen.
  3. Behandle das Obermaterial danach erneut mit einem Imprägniermittel.
  4. Wärme aktiviert die meisten Imprägniermittel. Halte dich an die Angaben auf der Verpackung des verwendeten Mittels.
  5. Lagere die Bekleidung trocken und hängend. Feucht zusammengefaltet wegzulegen erzeugt Falten, an denen die Beschichtung zuerst durchscheuert.

Ein bis zwei Mal pro Saison, je nachdem wie viel du fährst. Das spart dir eine neue Jacke.

Was passt zu welchem Fahrertyp

Du fährstEmpfehlung
Pendeln, kurze Strecken10K Jacke oder ein guter Regenanzug darüber, dazu wasserdichte Handschuhe
Wochenendtouren, wechselndes WetterJacke mit fester Membran ab 20K, Hose in derselben Klasse
Sommerfahrer, der manchmal nass wirdBelüftete Jacke mit separater Regenlage, kompakter Regenanzug im Koffer
Lange Reisen und Adventure30K oder mehr, Gore-Tex Stiefel, lange wasserdichte Handschuhe

Häufige Fragen

Reicht 10K, um trocken zu bleiben?

Für kurze Fahrten und normale Schauer ja. Bei stundenlangem Regen und hohem Tempo drückt Wasser durch, vor allem an Schultern und Sitzfläche. Dann willst du 20K oder mehr.

Ist Gore-Tex besser als HydraDri oder eine andere Markenmembran?

Gore-Tex bietet Kontrolle über das komplette Kleidungsstück und ein eigenes Trockenheitsversprechen des Herstellers. Markenmembranen erreichen vergleichbare angegebene Werte für weniger Geld. Für eine Jacke oder Stiefel, die viele Jahre halten sollen, wiegt die Garantie schwerer. Für gezielten Einsatz ist eine Markenmembran oft das bessere Preis-Leistungs-Verhältnis.

Warum werde ich innen nass, obwohl meine Jacke wasserdicht ist?

Das ist meist Kondens. Wenn die Atmungsaktivität nicht ausreicht oder das Obermaterial gesättigt ist, kann der eigene Schweiß nicht weg. Ein Baselayer, der Feuchtigkeit abtransportiert, hilft hier mehr als eine teurere Jacke.

Kann ich eine alte Jacke wieder wasserdicht machen?

Oft ja. Waschen mit einem Mittel für Funktionstextilien und anschließendes Imprägnieren stellt die wasserabweisende Schicht wieder her. Ist die Membran selbst beschädigt oder haben sich die Nahtbänder gelöst, ist Schluss.

Wasserdichte Stiefel oder Überzieher?

Wasserdichte Stiefel sind bequemer und sicherer, denn Überzieher können verrutschen und hängen bleiben. Überzieher sind eine Notlösung, keine Basis.

Hosenbein in den Stiefel oder darüber?

Darüber. Steckt das Bein im Stiefel, läuft alles Wasser vom Bein direkt hinein.

Unsicher bei der Größe?

Wasserdichte Bekleidung funktioniert nur, wenn sie richtig schließt. Zu weit lässt Wasser an Hals und Ärmeln herein, zu eng zieht die Nähte auf. Nutze unsere Größenberatung oder nimm Kontakt auf, wenn du zwischen zwei Größen oder zwei Modellen zweifelst. Wir denken gerne mit, bevor du bestellst.

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